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Die Mönche des ältesten Ordens der Katholischen Kirche, des Benediktinerordens, haben im Laufe der Jahrhunderte viel für die Evangelisierung und Kultivierung Europas getan. Ihre Klöster waren nicht nur Orte des Gebets und eines auf Gott ausgerichteten Lebens, sondern auch Stätten der Wissenschaft und der Kunst. So trugen die Benediktiner durch Übersetzen und Kopieren von philosophischen und naturwissenschaftlichen Texten der Antike und von Schriften des Orients zur Ausbreitung dieses Wissens im christlichen Europa bei. In ihren Klöstern wurde seit alters her die Kunst der Buchdruckerei und der Buchbinderei gepflegt; auch wurden unter anderem optische Geräte für die Beobachtung der Himmelskörper entwickelt und Wassermühlen als Kraftquellen entdeckt. Die Benediktinermönche zählten im Mittelalter zu den wichtigsten theologischen und kulturellen Lehrern des Abendlandes.
Durch die Fähigkeit, die Treue zu der Regel des heiligen Benedikt mit den Anforderungen der Zeit in Einklang zu bringen, konnten die Benediktiner ihre spirituelle und intellektuelle Kraft und Ausstrahlung über Jahrhunderte bewahren.
Seit 1893 haben sich die rund 8.500 Mönche, die weltweit in über 300 eigenständigen Klöstern nach der benediktinischen Tradition leben, in einer Konföderation zusammengeschlossen. Sie ist in 21 Kongregationen Landesverbände - untergliedert. Kloster Andechs und die Abtei St. Bonifaz gehören zur Bayerischen Benediktinerkongregation (BBK).
Die benediktinische Gemeinschaft lebt nach den Grundprinzipien des Evangeliums und stützt sich auf drei Schriften, die ihr Zusammenleben regeln und bestimmen:
- | die Heilige Schrift | - | die Benediktregel | - | die Auslegung der Regel durch Satzungen und Kommentare der regionalen Kongregation von Benediktinerklöstern |
Der Tagesablauf der Mönche wird bestimmt vom Rhythmus des gemeinsamen Stundengebets, die Lesung in der Bibel oder in theologischen oder spirituellen Schriften und durch die Arbeit ("ora et labora").
Jeder, der in ein Kloster eintreten möchte, um in der Gemeinschaft Gott zu suchen, legt zuvor Ordensgelübde - öffentliche Versprechen - über die Art der Lebensweise als Mönch ab. Das Leben im Kloster nach diesen Gelübden ist bewusst gelebte Brüderlichkeit. Es gibt Zeugnis davon, wie sehr man voneinander und füreinander leben kann, und von der Verbundenheit auf dem gemeinsamen Weg zu Gott.
In den drei Gelübden der ewigen Profess verspricht der Benediktinermönch:
1. stabilitas: | Beständigkeit und Treue zur benediktinischen Lebensform und Ausharren in der Gemeinschaft des Klosters, an das man sich gebunden hat | 2. conversatio morum: | die Konzentration auf das Wesentliche und ständiges Mühen um Bekehrung sowie das Führen eines klösterlichen Lebenswandels, der persönliche Besitzlosigkeit und Ehelosigkeit beinhaltet | 3. oboedientia: | Gehorsam |
Das Gelübde des Gehorsams bestimmt die benediktinische Grundhaltung: das Hören. Für Benedikt heißt Mönchsein: den Gottes Ruf vernehmen und auf ihn eine Antwort geben. Gehorsam wird verstanden als Offenheit für Gott und die Menschen. Gegenseitiger Gehorsam und gegenseitige Wertschätzung sowie Demut - "Mut zum Dienen" - sind daher unverzichtbare Elemente der gemeinsamen Gottsuche der Mönche.
Die Leitung eines Benediktinerklosters liegt in der Hand eines Abtes. Nach dem Verständnis der Regel wird er im Blick auf Christus "Herr" und "Vater" genannt (RB 63,13) und wird für seine Mönche im Kloster zum "Stellvertreter Christi" (RB 2,2). Der Abt dient der Einheit und Einmütigkeit der klösterlichen Gemeinschaft.
An den Dienst der "Führungspersönlichkeiten" des Klosters, des Abtes und des Priors, der ihn in seinen Aufgaben unterstützt, werden hohe Ansprüche gestellt. Als Kriterien eines würdigen Kandidaten für das Amt des Abtes nennt Benedikt:
- | die Bewährung im Leben (RB 64,2): der Abt soll an seinen Taten gemessen werden, "wenn er auch in der Rangordnung der Klostergemeinde der letzte wäre" | - | die Barmherzigkeit (RB 64): der Abt "wisse, dass er mehr helfen als herrschen soll" und "er suche, mehr geliebt als gefürchtet zu werden" | - | die Weisheit der Lehre (RB 2): "Deshalb darf der Abt nur lehren oder bestimmen und befehlen, was der Weisung des Herrn entspricht" |
Ein entscheidendes "Führungskriterium" ist:
- | die Fähigkeit der weisen Unterscheidung, der discretio, der "Mutter der Tugenden": der Abt muss der Individualität der Mönche sowie ihren Bedürfnissen und Wünschen gerecht werden (RB 64,19) und ihre Anregungen hören und berücksichtigen. |
Literatur:
GRÜN, Anselm, Benedikt v. Nursia, Seine Botschaft heute, Münsterschwarzacher Kleinschriften Nr. 7, 1979.
SCHÜTZ, Christian / RATH, Philippa, Der Benediktinerorden, Topos-Taschenbuch 245, Matthias-Grünewald-Verlag 1994. |